Ray Hunt Fort Worth Tribute 2010
28.02.2010
(click here for engl. version)
Am 27. und 28. Februar 2010 trafen sich rund 650 Menschen in Fort Worth, Texas/USA, um im historischen Will Rogers Reitzentrum den besten Schülern des großen Horseman Ray Hunt beim Jungpferde anreiten zuzuschauen. Einige Jahre zuvor hatte Ray dort eine Benefizveranstaltung für den damals bereits schwerkranken Tom Dorrance moderiert und diesmal trafen wir uns dort, um einige seiner Schüler zu sehen, auf die er den größten Einfluß gehabt hatte und um sein Vermächtnis zu ehren, denn Ray starb vor fast genau einem Jahr.
Es war ein sehr bewegender Moment für mich, einen Fuß in dieses Reitzentrum zu setzen, denn auf dem Video der Tom-Dorrance-Benefizveranstaltung, was ich gefühlte hundermal angeschaut hatte, sah die Halle viel größer aus als sie eigentlich war. Darüber hinaus war auch die gesamte Umgebung mit dem historischen Distrikt Fort Worth Stockyards ein absoluter Hingucker: ein Hotel aus dem 19. Jahrhundert, eine Rinderverladestation, etliche Geschäfte sowie ein Original-Viehtrieb mit Longhorn-Rindern, der zweimal täglich durch die Straßen geführt wurde, sofern das Wetter es zuließ. Natürlich durften auch touristische Attraktionen wie das Cowboy Museum mit „Walk of Fame“ und die Billy Bobs Bar nicht fehlen!
Am ersten Kurstag wurde per Losverfahren jedem Teilnehmer ein Jungpferd zugelost. Es waren 23 Schüler von Ray Hunt und sie kamen wirklich aus aller Welt, ebenso wie die Zuschauer. In der Reitbahn waren drei separate Roundpens aufgebaut und bis auf die drei Enkel von Ray entschied sich jeder Teilnehmer dafür, sein Pferd individuell im Roundpen zu arbeiten – die Enkel Jaton Lord, Wade Black und Ty Van Norman teilten sich zu dritt einen Roundpen und starteten die Jungpferde gemeinsam, wie es auch Ray oft getan hatte.
Allen Teilnehmern zu folgen war oft nicht leicht, denn kaum schaute ich bei einem etwas genauer hin, verpaßte ich, was im benachbarten Roundpen vor sich ging. Unter den Teilnehmern waren zum Beispiel Martin Black, Buck Brannaman, Tom Curtin, Mark Schwarm, Buster McLaury, David Stuart, Kip Fladland und Charlie Hill. Die meisten begannen mit dem Gebrauch ihres Lassos, um entweder das Pferd dazu zu bewegen, ihnen freiwillig zu folgen oder indem sie das Jungpferd einfingen und es an das Gefühl des Lassos um seinen Körper gewöhnten und ihm beibrachten, dem entstehenden Druck zu weichen. Natürlich machte das jeder auf seine Art und es war absolut faszinierend, so viele verschiedene, hoch talentierte Pferdemenschen dabei zu beobachten, wie sie Pferde an Halfter und später Sattel und Reiter gewöhnten – dabei immer im Kopf, daß ihre Idee ganz einfach nur zu der Idee des Pferdes werden sollte – pferdefreundlich eben! Es handelten alle individuell und der Einfluß von Ray Hunt war in diesen Momenten deutlich sicht- und spürbar.
Dieser Kurs wurde von der Witwe Carolyn Hunt veranstaltet und sowohl sie als auch weitere Moderatoren wie Sharon Camarillo, Les Best und Pat Parelli haben die einzelnen Situationen vorbildlich für die Zuschauer kommentiert. Sie wußten natürlich auch sehr viel über diese Arbeit, die Rays Lebenswerk gewesen war. Als zum Beispiel ein junges Pferd zu buckeln begann, als es zum ersten Mal einen Sattel auf seinem Rücken fühlte, sagte jemand: „Die Jungpferde, die buckeln und dabei quietschen wie ein Mädchen bocken nicht wirklich lange.“ Und er hatte recht: dieses Pferd beruhigte sich sehr schnell und ich habe es auch später unter dem Reiter nicht mehr buckeln sehen. Es hatte den Sattel auf seinem Rücken akzeptiert.
Wir alle, die dort waren, haben erstklassiges, pferdefreundliches Horsemanship gesehen. Nur weil eine Methode vielleicht anders ist als die, die man selbst kennt, heißt es nicht, daß es sich um etwas weniger Gutes handelt. Hier haben 23 verschiedene Pferdeleute mit verschiedenen Methoden gearbeitet und allen war der gemeinsame Ursprung durch Ray Hunt anzusehen. Diese Worte wie „Mache das Richtig leicht und das Falsche schwierig“ mögen beinahe wie hohle Phrasen anmuten, aber das wirklich so umzusetzen, dass ein Pferd es verstehen kann, ist eine hohe Kunst.
„Notice the slightest change, reward the slightest try.“
- Ray Hunt
Die ganze Szene war sehr ergreifend, vor allem auch als die Länder der Welt vorgelesen wurde, woher die Teilnehmer kamen – weltweit reicht Ray Hunts Einfluß, auch weit über seinen Tod hinaus. Für mich war Buck Brannaman derjenige, der am stärksten an Ray Hunt persönlich erinnert. Mit seinem ganzen Ausdruck und der ruhigen Art am Pferd kam er mir so vor, wie ich mir Ray anhand der Videos immer vorgestellt habe. Wahrscheinlich werde ich mein ganzes Leben lang bedauern, Ray nicht persönlich auf einem Kurs gesehen zu haben, aber ich bin dankbar für die Videodokumente, die uns Schülern ein lebenslanges Studium ermöglichen.
Vermutlich hat noch nie ein Pferdemensch den Pferden so sehr geholfen wie Ray Hunt (und vor ihm Tom Dorrance) – alles war er tat, tat er für die Pferde. Und danach sollten wir meiner Meinung nach alle streben. Wir werden es vielleicht nur teilweise erreichen, aber wir sollten es versuchen.
„Bemerke die geringste Veränderung und belohne bereits den kleinsten Versuch“, wie Ray zu sagen pflegte.
Sabine Bühlmann
Horses and Helicopters!
21.09.2009
Hallo liebe Leser von Feel-Timing-Balance
Dieser Beitrag ist ein wenig off-topic - aber nur ein wenig! Denn selbst wenn ich vorletzte Woche zum ersten Mal in Montana/USA war und mich mit Ranch und Cattle Work und allerfeinstem Horsemanship unter Anleitung von Buck Brannaman beschäftigt habe - wie könnte ich am Hubschrauberthema “vorbeifliegen”?!
Nicht umsonst hat mich diese Ranch interessiert - nicht nur, daß dort “zufällig gleichzeitig” Filmaufnahmen aus dem Heli stattfanden - Luftaufnahmen für Film-Doku über Buck Brannaman, nein, auch eine wunderschöne MD 520 Notar durfte ich sehen…

Und es geht: Horses and Helicopters!
Ich habe jemanden getroffen, der genau das gemacht hat … commercial license and finest horsemanship - wow! Und da ich im Sommer immer viele Kurse hier in Deutschland für den australischen Horseman Steve Halfpenny übersetze, geht es auch dort flott zu.
Und gestern hat mich doch glatt jemand “turbomäßig” gefilmt - danke an Flemux, den Filmer, und Vengür, der mich so flott trägt - Tölt (Spezialgangart der Islandpferde) ist fast wie fliegen!
Link zu youtube:Tur-Bine beim Tölt
Mehr zum Thema Helikopter auf:www.turbine-online.de
Buck Brannaman zum ersten Mal in Frankreich
23.11.2008
Vom 21. bis 23. November 2008 hat Buck Brannaman erstmals einen Kurs in Frankreich gegeben. Auf der großzügigen Westernreitanlage „La Fleurière“ in Montarnaud bei Montpellier waren Ranch Roping und Cow Work für diesen Kurs die Schwerpunktthemen. Die Organisation wurde von „Buckaroo's Experience“ in Person von Luc Giordano durchgeführt und verdient eine gute Note, besonders für die französische Übersetzung und das Catering.
Überwiegend fortgeschrittene Reiter und Pferde sowie etliche Zuschauer aus ganz Europa fanden sich ein, um den berühmten Horseman aus USA live zu sehen und mit ihm zu reiten. Ein amerikanisches Filmteam, das Buck schon seit Monaten begleitet, hat es sich nicht nehmen lassen, die weite Reise nach Frankreich in den Drehplan mit aufzunehmen und so wurde fleißig gefilmt, interviewt und fotografiert.
Ihr gebt Eurer Tanzpartnerin ja auch keinen Klaps auf den Nacken
Schon die Art, wie Buck sein Pferd für den Kurs vorbereitete, an die Rinder gewöhnte und am Boden dirigierte, machte allen klar, dass dies kein halbherziger Ansatz ist. Buck ist in allem, was er sagt und tut, sehr geradeheraus und eindeutig. Ihn mit einem Pferd arbeiten zu sehen ist ebenso beeindruckend wie unvergesslich. Sein Vergleich, ein Pferd zu führen sei wie Tanzen mit einem Partner, ist an seinem Beispiel absolut korrekt. Und sein Unterricht ist gespickt mit kleinen Freundlichkeiten wie z. B. einer Anleitung zum Pferde richtig streicheln: „Ihr gebt Eurer Tanzpartnerin ja auch keinen Klaps auf den Nacken!“
Er legt großen Wert auf die korrekte Basis, in diesem Fall besonders das gezielte Bewegen der Vor- und Hinterhand, damit die Pferde in der Lage sind, diese beiden Teile ihres Körpers unabhängig voneinander zu bewegen. Diese Übungen dienen ebenso wie das Rückwärtsgehen auf dem Zirkel als Vorbereitung für die Arbeit am Rind. In der „Horsemanship Class“ reiten zunächst alle gemeinsam einige Übungen und eine Ähnlichkeit zu Ray Hunt ist nicht von der Hand zu weisen, wenn Buck auf seinem Pferd in der Zirkelmitte steht und ein waches Auge für alle hat. Kein Wunder, hat er doch jahrelang bei Ray Hunt gelernt. Jedes Mal, wenn er von Ray oder Tom (Dorrance) spricht, liegt sehr viel Dankbarkeit und Ehre in seiner Stimme.
Für die Rinderarbeit werden die verschiedenen Würfe mit dem Lasso zunächst ohne Pferd an Holzattrappen geübt, damit alle Teilnehmer ihre Fähigkeiten verbessern können, ohne den Pferden das Lasso um die Ohren zu werfen. Auch Roping Anfänger kommen hier auf ihre Kosten und lernen, was einen Heel Shot von einem Hip Shot unterscheidet. Buck's Roping Fähigkeiten sind tatsächlich so legendär, wie sie beschrieben werden. Einmal landet ein wirklich weit entfernter Wurf zielgenau auf der Rinderhüfte und Buck scheint selbst stolz zu sein, denn er fragt gleich das Filmteam, ob diese Szene auch im Kasten ist.
Beim Roping wie auch beim Reiten gilt: Buck ist immer bereit, alle Fragen zu beantworten und erklärt geduldig auch mehrmals. Am zweiten Kurstag werden die Reiter mitsamt Lasso an die Rinder gelassen und die Gruppe teilt sich die Arbeit: die Fortgeschrittenen fangen ein Rind aus der Herde und die Einsteiger machen einige Würfe um die Hinterhand des Rindes, um vom Pferd aus mehr Erfahrung in dieser Arbeitsweise zu erlangen.
Make the wrong thing difficult and the right thing easy
Bei all dieser Arbeit betont Buck, dass es die kleinen Dinge sind, die wichtig sind. Ob man die Hinterhand des Pferdes allein mit der Schenkelhilfe um wenige Zentimeter nach rechts oder links bewegen kann oder das Pferd mit möglichst geringer Zügeleinwirkung auf einer Schlangenlinie reitet – es ist der Moment des Nachgebens, der dem Pferd zeigt, was richtig ist. Überhaupt ist Buck ein Meister des berühmten Satzes „Make the wrong thing difficult and the right thing easy“ - und das trifft für Mensch und Pferd zu.
Seine Geduld, Erfahrung, Ruhe und Führungsqualitäten hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck bei allen Vier- und Zweibeinern. Auch der dritte und letzte Kurstag, wo die Rinderarbeit noch einmal alles bietet – von der flotten Cow Work mit Cutting bis zum Roping in allen bisher gelernten Varianten inklusive Versorgen des Rindes am Boden – ist geprägt von seiner Leitung und Begleitung. Bei der allgegenwärtigen Frage „Do you have any questions?“ erzählt er, dass er damals in der Anfangszeit bei Ray Hunt sich nicht immer getraut hat, alle Fragen zu stellen. Daher ermutigt er jeden und beantwortet sämtliche Fragen, wie lange es auch nach Kursende dauern mag.
Ich habe meine Fragen alle gestellt und sie auch alle beantwortet bekommen. Ich weiß, wozu ich bei diesem Kurs dabei war und bin endlos dankbar, dass ich dort sein durfte. Dieser Mann ist für die Pferde da – dafür, dass es ihnen mit uns Menschen besser geht und wir besser zusammenarbeiten können. Und dass er dadurch auch die Menschen maßgeblich beeinflußt, liegt einfach in der Natur der Sache.
„Many happy trails friend“
Diesen Satz werde ich nicht vergessen...
Sabine